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23.05.2018, Blockchain und Social Media

Der Hype um die Blockchain nimmt kein Ende. Nach dem Hype der Cryptowährungen, werden nunmehr zahlreiche neue Projekte auf Grundlage der Blockchain gestartet.Was steckt hinter diesem Phänomen?


Sehr vereinfacht dargestellt, handelt es sich bei der Blockchain um eine Technologie, die dazu dienen kann mithilfe eines verteilten ledgers, zentrale Kontrollstellen zu ersetzen. Anders als bei klassischen verteilten Datenbanken werden bei der Blockchain allerdings bei der Erstellung einzelner einzelner Daten-"Blöcke" die jeweils vorangehenden Blöcke als Hashwert an die erste Stelle des daran angefügten Daten-"Blocks" gespeichert. Dadurch können Daten chronologisch auf eine Art gespeichert werden, die eine nachträgliche Veränderung schwer bzw. beinahe unmöglich macht (die Schwierigkeit ist abhängig von der Größe der Blockchain bzw. der Anzahl der Blöcke: je länger die chain, umso schwieriger eine Manipulation). Diese äußerst vereinfachte Darstellung kann selbstverständlich, abhängig von der Anwendung der jeweiligen Blockchain, verschiedenen Abweichungen unterliegen. So muss unterschieden werden, ob die Blockchain öffentlich ist, also von allen, die es wünschen beschrieben werden kann, oder nicht, wie ein "Konsens" der Teilnehmer ermittelt wird, um den Inhalt des nächsten "Blocks" zu bestimmen, etc.


Diese neue Technologie soll jedenfalls in vielen Bereichen Anwendung finden. Ursprünglich lag bzw. liegt die Blockchain Technologie den verschiedenen Cyptowährungen wie Bitcoin, Ethereum etc. zu Grunde. Doch sehr schnell wurde erkannt, dass die Blockchain auch für andere Zwecke verwendet werden kann.

Beispielhaft sind hier etwa die Konzepte zur Schaffung einer so genannten self-sovereign identity. Self-sovereign identity bezeichnet eine digitale Identität, die durch den jeweiligen User weitgehend eigenständig verwaltet wird.


Eine solche "Identität" setzt sich aus verschiedenen Identitätsattributen (etwa Name, Alter, Geschlecht…). Diese Attribute werde, abhängig vom jeweiligen Konzept, durch von vertrauenswürdige Stellen jeweils durch ihre Signatur bestätigt. So kann etwa der Personalausweis als Hash-Wert in die Blockchain gespeichert werden, oder aber die IP-Adresse eines Servers, über welchen schließlich kommuniziert wird.


Diese Ansätze der self-sovereign identity könnten in Zukunft auch im Zusammenhang mit Social Media bedeutsam werden. So ist es durchaus denkbar, dass die Implementierung einer self-sovereign identity, als Voraussetzung für die Erstellung eines Social Media Accounts, als Maßnahme zur Verhinderung von "Hate Speech" oder "Fake News" dienen kann.


Wird nämlich die jeweilige digitale Identität an eine natürliche Person geknüpft, so wird verhindert, dass jemand an der öffentlichen Meinungsbildung über Social Media in vollkommener Anonymität mitwirken kann.


Hinter "Social Bots" steht kein Mensch (zumindest nicht direkt). Sie werden massenhaft erstellt, um durch likes und Shares von Mitteilungen die Meinung der user (etwa von Facebook oder Twitter) zu beeinflussen. Durch das häufige Teilen von Nachrichten wird dem Algorithmus nämlich vorgetäuscht, dass diese Nachrichten jeweils besonders relevant beziehungsweise für andere User interessant wären. Es gibt zwar bereits technische Möglichkeiten, Social Bots zu erkennen, jedoch sind diese Anwendungen nicht gänzlich fehlerfrei. Eine Löschung dieser Accounts könnte daher eine "echte" Person stark beeinträchtigen.


Es erscheint darüber hinaus durchaus naheliegend, dass Personen deren Identität durch den Social Media Betreiber (zumindest theoretisch) feststellbar ist, weniger geneigt sind, in öffentlichen Foren bzw. über Social Media "Hate Speech" zu betreiben. Auch die unverantwortliche Verbreitung von "Fake News" könnte damit vermutlich eingeschränkt werden. Ob sich jedoch ein solcher "Chilling Effect" mit der Meinungsäußerungsfreiheit verträgt beziehungsweise welche Anforderungen an eine entsprechende Regelung durch den Gesetzgeber gestellt werden müssten, ist eine andere Frage.


Im Hinblick auf digitale Identitäten, die auf der Blockchain Technologie basieren stellt sich natürlich auch die Frage, inwieweit die Blockchain datenschutzrechtlichen Anforderungen (insbesondere jener der ab 25.5.2018 zur Anwendung gelangenden Europäischen Datenschutz-Grundverordnung) entsprechen kann.


Der richtige Einsatz dieser digitalen Identitäten erscheint auf jeden Fall im Interesse sowohl der Nutzer als auch der Betreiber von Social Media Plattformen gelegen.